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Musikalische Erzählkunst Darmstädter Echo vom 23.05.2005
RIEDSTADT. Eine Stimme, eine Gitarre, manchmal eine Mundharmonika. Mehr braucht Trollius Weiss nicht, um seine Geschichten zu erzählen. Mal umschmeichelt er das Ohr mit sanften Klängen, die poetische Verse übers Sein und Werden, zuweilen auch übers Vergehen begleiten. Mal zupft er seine Gitarrensaiten stärker, um bluesige bis rockige Weisen vorzutragen. Die Musik des Darmstädter Liedermachers verlangt nach aufmerksamen Zuhörern, als melodiöse Hintergrundberieselung ist sie viel zu schade. Wenn man sich auf seine Lyrik einlässt, dringt sie tief ein und setzt sich fest. Das Publikum des gelernten Heilpraktikers, das am Freitagabend in die Kunstgalerie des Büchnerhauses gekommen war, wusste den Wert dieser musikalischen Erzählkunst zu schätzen. Es lauschte seinen Liedern mal andächtig, mal amüsiert - je nachdem, mit welcher Facette sich Weiss gerade beschäftigte. Ob dramatisch, heiter, melancholisch oder überschwänglich: Auf die sanfte Tour wortgewaltig reflektiert der gebürtige Berliner das Menschsein in allen Ausprägungen, vorzugsweise jener der Liebe. Und von den witzigen Seiten des Lebens erzählt der Musikpoet mit feinem Humor. Zuweilen hält er die Lupe über Details, die man in der Hektik des Alltags schnell übersieht oder deren Wert aus dem Bewusstsein verschwunden ist. Das Schweigen etwa. Die Stille ist, gerade in einer Welt der Luatsprecher und Selbstdarsteller, ein Ort der Begenung mit dem eigenen Ich. Auch zwischenmenschlichen Beziehungen tut diese Ruhe gut. In “Hafen der Stille”, nach eigener Darstellung ein Lied vom Ankommen, deutet Trollius Weiss solche Erkenntnisse an. Das Leben ist freilich nicht nur tiefgründig. Aber selbst über Nichtigkeiten wie das Gefühl, in einem Cabrio den Fahrtwind zu spüten, singt Trollius Weiss in erzählerischer Raffinesse. Jedes Stück des Darmstädters ist ein wahrer Wortschatz. Weiss dagegen übte sich in Bescheidenheit, als er über sein kreatives Tun sprach: “Ich lasse mir manchmal ein Lied einfallen.” |